Geschlechtsdrüsen

Geschlechtsdrüsen bei Männern

Testosteron

Testosteron ist der wichtigste Vertreter der männlichen Sexualhormone (Androgene). Testosteron ist wichtig für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale und den Knochen- und Muskelaufbau. Die Bildung des Testosterons unterliegt einem fein abgestimmten Regulationsmechanismus und erfolgt im Hoden. Die Ausschüttung von Testosteron wird von den Hormonen LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) reguliert. Die beiden Hormone werden in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet und als Gonadotropine bezeichnet, weil sie auf die Keimdrüsen (Gonaden) wirken. LH fördert die Freisetzung von Testosteron aus den Leydig-Zellen des Hodens. FSH stimuliert die Sertoli-Zellen in den Hodenkanälchen und damit die Samenreifung.

Symptome bei Hypogonadismus

Die Auswirkungen des Testosteronmangels sind davon abhängig, in welchem Lebensalter sie eintreten. Bei einem Funktionsausfall der Hoden vor Beginn der Pubertät kommt es zu Hochwuchs, hoher Stimme und fehlender oder geringer Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale. Fällt die Hodenfunktion erst nach der Pubertät aus, so werden die nach der Pubertät entwickelten sekundären Geschlechtsmerkmale (z.B. Bartwuchs) zurückgebildet. Es treten Störungen des Sexuallebens auf. Das sexuelle Verlangen (Libido) nimmt ebenso ab wie die Erektionsfähigkeit. Besonders typisch für Testosteronmangel ist das Ausbleiben spontaner morgendlicher Erektionen. Testosteronmangel äußert sich auch in der Abnahme von Muskelmasse und führt so zu Muskelschwäche. Gleichzeitig nimmt der Fettanteil am Körper (vor allem im Bauchbereich) zu. Unbehandelter Testosteronmangel führt langfristig auch zu Knochenschwund (Osteoporose).

Ursachen

  1. Primärer (hypergonadotroper) Hypogonadismus: Bei dieser Form liegt die Ursache der Störung in den Hoden selbst. Es wird zu wenig Testosteron in den Hoden gebildet. Die Hirnanhangdrüse versucht die Hoden zur Testosteronproduktion zu stimulieren durch eine erhöhte LH- und FSH-Ausschüttung. 
Die primäre Hodenunterfunktion kann durch angeborene Fehlbildungen oder erworbene Schädigungen bedingt sein. Eine typische angeborene Erkrankung ist das Klinefelter-Syndrom. Gründe für erworbene Schädigungen sind beispielsweise Verletzungen (z.B. Hodendrehung) oder verschiedene Erkrankungen (z.B. Hodenentzündung bei Mumps). Auch Älterwerden hat einen niedrigeren Testosteronspiegel zur Folge.

  2. Sekundärer (hypogonadotroper) Hypogonadismus: Bei dieser Erkrankungsform schüttet die Hirnanhangsdrüse zu wenig FSH und LH aus, der Hoden ist gesund. Mögliche Gründe sind beispielsweise Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse, des Hypothalamus (z.B. Kallmann-Syndrom) oder andere Erkrankungen (z.B. Unterernährung, Schilddrüsenunterfunktion, etc.). Auch die verstärkte zusätzliche Einnahme von Sexualhormonen (dies ist beispielsweise der Fall, wenn so genannte Anabolika zum Muskelaufbau eingenommen werden) bringt die Hirnanhangsdrüse aus dem Gleichgewicht, so dass sie weniger Gonadotropine ausschüttet und die Testosteronbildung beeinträchtigt ist.

Diagnose

Zur Diagnose erfolgt eine genaue Befragung und körperliche Untersuchung durch einen Endokrinologen. Dabei wird speziell auf die Körperbehaarung und die Hodengrösse geachtet. Ergänzend erfolgt die Bestimmung der Testosteron-, LH- und FSH-Werte im Blut. Abhängig von den erhobenen Befunden erfolgen weitere Untersuchungen. Dies können genetische Tests, Hormonstimulationstests, Ultraschall der Hoden, Bildgebung der Hirnanhangsdrüse oder ein Spermiogramm (mikroskopische Untersuchung des Spermas in einem Speziallabor) umfassen.

Therapie

Bei der primären Hodenunterfunktion muss das fehlende Testosteron zugeführt werden. Man spricht von einer Testosteron Substitutionstherapie. Es kann in Form von Spritzen oder Gel verabreicht werden. Am häufigsten wird heute eine Testosteronspritze verabreicht, welche ca. alle 3 Monate wiederholt werden muss.

Die Substitution von Testosteron bei älteren Männern ohne klaren Grund für einen Hypogonadismus ist umstritten. Bei der sekundären Hodenunterfunktion können anstelle einer Testosteron-Substitution, die Hormone der Hirnanhangsdrüse (FSH und LH) verabreicht werden. Die Spermienzellbildung wird dadurch angeregt. Diese Behandlung wird häufig im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung durchgeführt.

Geschlechtsdrüsen bei Frauen

Oestrogen

Oestrogen ist der wichtigste Vertreter der weiblichen Sexualhormone zusammen mit dem Progesteron. Oestrogen ist wichtig für die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsmerkmale und den Knochenaufbau. Die Produktion findet hauptsächlich in den Eierstöcken statt. Die Bildung wird reguliert durch die Hormone LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse).

Hypogonadismus

Symptome des Hypogonadismus bei der Frau (während der fruchtbaren Jahre)

Bleibt die Menstruation aus, spricht man von Amenorrhoe. Es wird zwischen primärer und sekundärer Amenorrhoe unterschieden. Langfristig entsteht bei einem Oestrogenmangel ein Knochenschwund (Osteoporose).

Nach Abschluss der fruchtbaren Jahre (Menopause) tritt ein natürlicher Hypogonadismus bei den Frauen auf mit tiefen Oestrogenspiegeln und Ausbleiben der Menstruation.

Ursache
  • Primäre Amenorrhoe: Die Periode bleibt auch nach dem 16. Lebensjahr aus, es hat noch nie eine Periodenblutung stattgefunden. Die Ursache kann auf eine mangelnde Ausreifung der Geschlechtsorgane, eine funktionellen Störung der Gebärmutter/Eierstöcke oder einer Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)/ Hypothalamus (endokrines Steuerungsorgan im unteren Bereich des Zwischenhirns) zurück geführt werden. 

  • Sekundäre Amenorrhoe: Die Periode bleibt für mehr als 3 Menstruationszyklen aus bei vorher normalem regelmässigem Zyklus. Häufige Ursachen sind ein polyzyklisches Ovarsyndrom, körperlicher/psychischer Stress, Medikamente, Magersucht oder exzessiv betriebener Sport. Eine typische endokrinologische Ursache ist ein Tumor der Hypophyse oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Nach Absetzen der Antibabypille kann die Regel zunächst ebenfalls für eine gewisse Zeit ausbleiben. Seltener ist die ausbleibende Menstruation durch einen Tumor der Gebärmutter, Eierstöcke oder Nebenniere bedingt.

Diagnose

Die Abklärung der primären Amenorrhoe erfolgt schon in der Pubertät durch den Kinderarzt. Bei der Abklärung der sekundären Amenorrhoe muss zunächst geprüft werden, ob nicht eine Schwangerschaft besteht. Liegt keine Schwangerschaft vor, sollte jede Amenorrhoe von mehr als drei Monaten Dauer eingehend abgeklärt werden. Meistens erfolgt die Abklärung zunächst durch den Frauenarzt. Mit den Blutuntersuchungen werden die geschlechtsspezifischen Hormonspiegel geprüft. Die apparative Untersuchung mit dem Ultraschallgerät ermöglicht eine visuelle Beurteilung der Gebärmutter, insbesondere deren Schleimhautbeschaffenheit, der Eierstöcke und Eileiter. Findet sich dabei keine Erklärung für die Amenorrhoe, erfolgt eine Mitbeurteilung durch einen Hormonspezialisten (Endokrinologen). In vielen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen und Endokrinologen wichtig. Diagnose

Die Abklärung der primären Amenorrhoe erfolgt schon in der Pubertät durch den Kinderarzt. Bei der Abklärung der sekundären Amenorrhoe muss zunächst geprüft werden, ob nicht eine Schwangerschaft besteht. Liegt keine Schwangerschaft vor, sollte jede Amenorrhoe von mehr als drei Monaten Dauer eingehend abgeklärt werden. Meistens erfolgt die Abklärung zunächst durch den Frauenarzt. Mit den Blutuntersuchungen werden die geschlechtsspezifischen Hormonspiegel geprüft. Die apparative Untersuchung mit dem Ultraschallgerät ermöglicht eine visuelle Beurteilung der Gebärmutter, insbesondere deren Schleimhautbeschaffenheit, der Eierstöcke und Eileiter. Findet sich dabei keine Erklärung für die Amenorrhoe, erfolgt eine Mitbeurteilung durch einen Hormonspezialisten (Endokrinologen). In vielen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen und Endokrinologen wichtig.

Therapie

Die Therapie von Menstruationsstörungen richtet sich nach den jeweils vorliegenden Beschwerden und setzt eine sorgfältige Suche nach den Ursachen der Beschwerden voraus. Zum Beispiel bringt bei einem polyzystischen Ovarsyndrom eine hormonelle Therapie mit Ovulationshemmern (Antibabypille) oder anderen Hormonpräparaten Besserung.

Liegt ein Prolactin-sezernierender Tumor der Hirnanhangsdrüse vor, kann dieser in Abhängigkeit von der Grösse oftmals medikamentös behandelt werden.

Die Therapie der psychisch bedingten Amenorrhoe ist weitaus schwieriger, da eine psychiatrische oder psychologische Betreuung nötig ist.

Hirsutismus (männliches Behaarungsmuster bei der Frau)

Eine männliche Verteilung der Körperbehaarung bei der Frau (z.B. vermehrt im Gesicht, Bauch, Oberschenkel-Innenseiten) ist für die Betroffenen zumeist sehr belastend. Nebst einer genetischen Komponente kann der Grund häufig eine Überproduktion von männlichen Hormonen sein. Häufigste Ursache hierfür ist das polycystische Ovarsyndrom (siehe Abschnitt PCOS) nebst selteneren Erkrankungen (adrenogenitales Syndrom, Tumore der Nebenniere/Eierstöcke). Die Diagnose erfolgt durch eine körperliche Untersuchung und Blutanalyse mit gegebenenfalls weiterführenden Tests. Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.