Bauchspeicheldrüse (Diabetes)

Diabetes mellitus Typ 1

Bei dieser Krankheit handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung der Bauchspeicheldrüse. Dabei werden die insulinproduzierenden Beta-Zellen in den Inseln der Bauchspeicheldrüse zerstört durch eine Entzündungsreaktion. Mit einem Verlust der Beta-Zellen kommt es zu einem zunehmenden Insulinmangel. Wenn ca. 80–90% der Beta-Zellen zerstört sind, liegt ein Typ-1 Diabetes vor mit hohen Blutzuckerwerten bei Insulinmangel. In der Anfangsphase der Erkrankung ist also durchaus noch eine kleine Insulinrestproduktion – messbar über das C-Peptid – vorhanden.

Pathophysiologie

  1. Zucker (Glukose) kann nicht mehr in die insulinabhängigen Gewebe bzw. Zellen aus dem Blut aufgenommen werden. Die Glukose fehlt innerhalb der Zellen als Energielieferant und häuft sich im Blut an.
  2. Die Glukoseneubildung in der Leber verläuft ungebremst. Es werden bis zu 500 g Glukose pro Tag in das Blut abgegeben. Da diese von den Zellen nicht verwertet werden kann (siehe 1.), bleibt sie im Blut, und der Blutzuckerspiegel steigt weiter.
  3. Das Körperfett kann nicht mehr in seinen Depots gehalten werden und wird ans Blut abgegeben. Es kommt zu einer Überschwemmung des Blutes mit freien Fettsäuren. Diese werden nicht mehr normal abgebaut, sondern werden über einen Nebenweg zu Ketonkörpern umgebaut. Dies führt zu einer Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose), durch die sämtliche Stoffwechselvorgänge im Körper beeinträchtigt werden.
  4. Beim Überschreiten der Nierenschwelle von ca. 10mmol/l Glucose im Blut, wird Glucose im Urin ausgeschieden. Es kommt zur Erhöhung der Urinmenge um die anfallende Glukose ausscheiden zu können. Das ständige Wasserlassen als Folge des hohen Blutzuckers führt zu einem verstärkten Durstgefühl bei Dehydration (Entwässerungszustand) mit ständigem Zwang zu trinken.
Zusammenfassend kommt es bei Insulinmangel zu einem Substratmangel in den Zellen, zu einem Blutzuckeranstieg, zum Wasser- und Nährstoffverlust, zu einer Übersäuerung des Blutes und zur Gewichtsabnahme. Im Extremfall kann es zu einem lebensgefährlichen Krankheitsbild kommen, dem ketoazidotischem Koma.

Beschwerden bei Erstmanifestation

Charakteristisch ist die ausgeprägte Gewichtsabnahme innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen, verbunden mit Austrocknung, ständigem Durstgefühl, häufigem Wasserlassen, oft auch Erbrechen und gelegentlich Wadenkrämpfen und Bauchschmerzen. Allgemeine Symptome wie Müdigkeit und Kraftlosigkeit, Sehstörungen und Konzentrationsstörungen kommen oft dazu. Kopfschmerzen sind ebenfalls nicht ungewöhnlich.

Behandlung

Beim Typ-1-Diabetes muss das fehlende Insulin ersetzt werden mit Insulinpräparaten. Das Ziel der Insulintherapie ist nicht die Heilung von Typ-1-Diabetes, sondern Ersatz des fehlenden körpereigenen Insulins. Deshalb muss die Therapie kontinuierlich bis ans Lebensende durchgeführt werden. Eine Therapie zur Heilung ist bisher nicht verfügbar.

Jeder Betroffene wird durch das Hormon Zentrum Zürich geschult im Umgang mit der Insulintherapie und lernt den Unterschied zwischen lang-und kurzwirksamen Insulinen, die Anpassung der Insulinmenge an Sport, Kohlenhydratmengen und an Sondersituationen. Die Schulung erfolgt zusammen mit den Diabetes-und Ernährungsberatern.

Diabetes mellitus Typ 2

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine multifaktorielle Störung, bei der die Insulinwirkung am Zielort, den Zellmembranen, nicht richtig wirken kann (Insulinresistenz). Die Bauchspeicheldrüse kompensiert dies in den ersten Krankheitsjahren durch eine Erhöhung der Insulinproduktion, im Laufe der Zeit erschöpft sich die Drüse mit der dauernden Überproduktion. Dann kommt es zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels bei relativem Insulinmangel. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es auch zu einem absoluten Insulinmangel kommen. Dies ist eine Folge des Alterungsprozesses und der ständigen Überbelastung der Bauchspeicheldrüse.

Ursachen

Übergewicht gilt als eine der Hauptursachen für diesen Erkrankungstyp. Neben der angeborenen Insulinunempfindlichkeit resultiert aus dem Übergewicht eine zusätzliche Insulinresistenz der insulinabhängigen Körperzellen.

Die Ernährung mit einfachen oder komplexen Kohlenhydaten spielt zusammen mit der körperlichen Aktivität und der allgemeinen Energiebilanz des Stoffwechsels eine grosse Rolle.

Der entscheidende Faktor ist die genetische Veranlagung, wobei wahrscheinlich viele Gene beteiligt sind (polygene Erkrankung). Die unterschiedliche Genetik ist wahrscheinlich der Grund für unterschiedlichen Verlaufsformen.

Beschwerden

Viele Betroffene von Diabetes Typ-2 haben jahrelang keine klaren Symptome. Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes geht der Typ-2-Diabetes eher selten mit einer Gewichtsabnahme und nur bei massiv erhöhten Blutzuckerwerten mit vermehrtem Wasserlassen und Durstgefühl einher. Häufig bestehen zu Beginn unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Schwäche, Sehstörungen und Infektneigung wie z.B. häufige Blasenentzündungen. Die Beschwerden sind sehr unspezifisch, häufig wird die Diagnose erst nach Jahren durch Zufall gestellt. Selten, aber möglich, ist ein sogenanntes hyperosmolares Koma bei sehr hohen Blutzuckerwerten, wenn die Nieren so viel Wasser ausscheiden, dass der Flüssigkeitsverlust durch Trinken nicht mehr auszugleichen ist.

Behandlung

Durch vermehrte Bewegung wird die Insulinresistenz vermindert. Bei Übergewicht hilft eine Gewichtsabnahme den Stoffwechsel bzw. die Bauchspeicheldrüse zu entlasten, wobei jedes Kilo zählt.

Neben diesen Lebensstilveränderungen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Manche Tabletten greifen auf Ebene der Insulinresistenz ein, andere Tablette forcieren die Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse. Je nach Krankheitsdauer und höhe der Blutzuckerwerte muss zudem dem Körper Insulin zugeführt werden, wenn die körpereigenen Insulinproduktion nicht mehr ausreicht.

Je besser es gelingt, die Blutzuckerwerte zu normalisieren, umso geringer ist die Gefahr von Komplikationen an den Augen, den Nieren, den Füssen und den großen Blutgefäßen. Insbesondere bezüglich der makrovaskulären Risiken wie Herzinfarkt oder Schlaganfall ist die optimale Zuckerstoffwechsel-Einstellung neben einer eventuell notwendigen Blutdruckbehandlung sehr wichtig.

Jeder Betroffene wird durch das Hormon Zentrum Zürich eine Schulung im Umgang mit der chronischen Krankheit erhalten mit Diabetes-und Ernährungsberatung zur Optimierung seines Alltags.

Schwangerschaftsdiabetes

Der Schwangerschaftsdiabetes ist definiert als eine erstmals in der Schwangerschaft festgestellte Zucker (Glucose)-Toleranzstörung. In seltenen Fällen kann es sich um einen neu aufgetretenen Diabetes -Typ 1 oder -Typ 2 handeln. Bei typischem Verlauf normalisiert sich der Glucosestoffwechsel wieder nach der Geburt bei den meisten Frauen.

Entstehung

Während der Schwangerschaft werden verschiedene andere Hormone produziert, die als Gegenspieler des Insulins wirken und zu einem verminderten Ansprechen der Gewebe auf Insulin führen (Insulinresistenz). Wenn die Bauchspeicheldrüse den erhöhten Bedarf an Insulin im Verlauf der Schwangerschaft nicht mehr ausreichend ausschütten kann, entwickelt sich ein Schwangerschaftsdiabetes mit erhöhten Blutzuckerwerten.

Risikofaktoren

  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus Typ 2 in der Familie
  • mütterliches Alter über 30 Jahren
  • Schwangerschaftsdiabetes während einer früheren Schwangerschaft
  • hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
  • gestörte Glukosetoleranz vor der Schwangerschaft
  • ein bereits geborenes Kind mit einem Geburtsgewicht von über 4500g
  • mehr als 3 Fehlgeburten unbekannter Ursache in der Vorgeschichte
  • Polyzystisches Ovarsyndrom
  • Ethnische Herkunft
Ungeachtet dieser Risikofaktoren wird bei jeder schwangeren Frau zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Zuckertoleranztest empfohlen.

Beschwerden

Meist bemerkt die Frau keine Beschwerden vor der Diagnosestellung.

Behandlung

Bei der Mehrheit der Schwangeren führt eine Ernährungsumstellung (z.B. ausgewogene Kohlenhydrat-Verteilung, weitgehender Verzicht auf schnell resorbierbare Kohlenhydrate wie beispielsweise Fruchtsäfte, Limonaden, Vollkornprodukte statt Weissmehl,) zusammen mit einer moderaten, regelmässigen Bewegung zu normalen Blutzuckerwerten. Falls dadurch keine Besserung erzielt werden kann, muss mit einer Insulintherapie begonnen werden.

Jede Schwangere erlernt durch das Team des Hormon Zentrums Zürich nach der Diagnosestellung die Blutzuckerselbstmessung zur Kontrolle des Blutzuckers vor und nach jeder Mahlzeit für die optimale Anpassung der Diät.